Die klingenden Körper des Menschen

Ernährung und Gesundheit aus tontherapeutischer Sicht

von Antje Nagula

Möglicherweise fragen Sie sich, was denn eine Tontherapeutin zum Thema „Ernährung und Gesundheit“ beizutragen hat, weil das mit Musik, Schwingung, Klang und Ton doch scheinbar nur wenig zu tun hat? Gesundheit mag ja gerade noch nachvollziehbar sein, aber Ernährung? Und auch wenn Singen zu 100% vegan ist: Einen knurrenden Magen füllt es in der Regel nun gerade nicht. Doch selbst meine Oma in ihrer unendlichen, bäuerlichen Weisheit pflegte schon zu zitieren: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“ und neuere Sprachforschungen geben ihr insofern Recht, dass „unser täglich Brot“ im „Vater unser“ wohl auch eher als „Nahrung in Verbindung mit Einsicht und Erkenntnis“ zu verstehen ist.  

Schauen wir uns also einmal an, was die Nada Brahma Tontherapie, eine indische Tonlehre deren Wurzeln in den ältesten Schriften der Menschheit, den Veden, liegen, unter ‚Gesundheit‘ überhaupt versteht. Für uns Nada Brahma Tontherapeuten besteht gemäß der indischen Samkhya-Philosophie jeder Mensch aus 5 Körpern, die untereinander in engster Verbindung stehen und miteinander ständig interagieren. Für jeden dieser 5 Körper definieren wir den Begriff ‚Gesundheit‘ anders und der Gesundheitszustand von jedem der Körper greift zahnradartig in die anderen über. Jeder der 5 Körper kann Störungen/Erkrankungen aufweisen, die dann aber auch Auswirkungen auf die anderen Körper haben können. Genauso kann im Umkehrschluss die Heilung eines Körpers sich auf die Heilung der anderen Körper auswirken. 

  1. Die physische Gesundheit (Annamayakosha – die materielle Hülle) Damit ist unser physischer, grobstofflicher Körper gemeint und er ist überwiegend das, was unsere Schulmedizin behandelt und womit wir Gesundheit in der Regel definieren. Den physischen Körper kann jeder normale Mensch sehen, er ist wissenschaftlich anerkannte Materie und wird als solche untersucht und behandelt. Um ihn und seine reibungslose Funktion zu erhalten, müssen wir essen und trinken. Möglichst hochwertige, abwechslungsreiche und ihm zuträgliche Lebensmittel. Bücher zur Ernährung dieses Körpers füllen ganze Bibliotheken! In den Upanishaden (Teil der Veden) wird unser physischer Körper mit einem Wagen verglichen, einem Gefährt für unser irdisches Leben. Dieser Wagen ist zweifellos ein technisches Wunderwerk. Durch die Nahrungsaufnahme wird er geölt, geputzt und gepflegt, um ihn möglichst lange funktionsfähig zu erhalten – was uns allen täglich ein großes Anliegen ist!
  2. Die energetische Gesundheit (Pranamayakosha – die Hülle der Lebensenergie) Sie gibt Ausdruck über den Zustand unserer Lebenskraft und unserer Lust am Leben. Steht z.B. eine heiße, dampfende, wohlriechende Suppe vor uns, so weckt diese an einem kalten Tag unsere Lebensgeister schon, bevor wir den ersten Löffel überhaupt probiert haben. Unser Wagen könnte nicht fahren ohne die Energie feuriger Rosse, die ihn ziehen – je kraftloser diese Tiere, desto schleppender unsere Fahrt! Und selbst der schönste auf Hochglanz gewienerte Wagen macht angesichts lustloser Rosse keinen guten Eindruck! Obwohl dieser Körper bereits zu den feinstofflichen Hüllen zählt, können die meisten von uns im direkten Kontakt gut wahrnehmen, ob ein Gegenüber gerade über viel oder wenig Lebenskraft und -lust verfügt. Dieser Körper wird genährt durch den sinnlichen Genuss am Essen und die Werbung hat diesen entscheidenden Einfluss auf unsere Ernährung bereits erkannt und wirbt für bestimmte Produkte als „Genießen mit allen Sinnen!“. Welche Lust können wir empfinden, das Geräusch zu hören, wenn wir in ein knuspriges Baguette beißen, den zarten Schmelz von Nougat im Mund fühlen, unsere Augen appetitlich angerichtetes Essen sehen, köstliche Düfte uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen und wir die Augen verdrehen, weil es so gut schmeckt! Denn seien wir ganz ehrlich: selbst der gesündeste Smoothie bringt uns nicht wirklich in Schwung, wenn er scheußlich schmeckt, gräulich aussieht und komisch riecht!
  3. Die emotionale Gesundheit (Manomayakosha – die Hülle des Gemütes) In diesem Körper sitzen unsere Gefühle und er zeigt die Beschaffenheit unseres Gemüts. Selbstverständlich möchten wir uns alle unablässig glücklich fühlen und auch diesen Knopf drückt die Werbung geschickt, indem sie uns z.B. das Glück einer heilen Familie durch den Genuss einer bestimmten Frühstücksmargarine suggeriert. Aber in Wirklichkeit haben die wenigsten Menschen ihre emotionale Gesundheit im Griff, denn wir sind dazu erzogen, vernünftig und möglichst emotionsfrei in allen Lebenslagen aufzutreten. Vor allem negative Gefühle wie z.B. Eifersucht, Gier oder Neid sind es, die wir nach Möglichkeit nicht zeigen, ja uns sogar schämen, diese überhaupt zu empfinden. Ernährungstechnisch ist der Emotionalkörper eng mit dem Essverhalten verknüpft: Vor Kummer können wir entweder gar nichts essen oder fressen den Kummer buchstäblich in uns hinein mit einem Übermass an Nahrung. Hilft das nicht, versuchen wir die Gefühle mit dem Genuss von Alkohol zu betäuben um nichts mehr fühlen zu müssen. Doch ein betrunkener Wagenlenker, der weder für Wagen noch für Rosse noch ein Gefühl übrig hat, ist extrem gefährlich unterwegs! Gibt es überhaupt Nahrungsmittel, die unseren Emotionalkörper positiv beeinflussen können? Ich denke, ja! Obwohl diese zunehmend seltener verfügbar werden. Glücklich machende Nahrung hängt nämlich stark davon ab, in welcher emotionalen Verfassung der Koch bei der Zubereitung war! Ein/e Hausfrau/Hausmann wird alle Liebe und Fürsorge in die Zubereitung der Nahrung für die Familie stecken. Und je nach Grad deren Feinfühligkeit werden die Angehörigen diese Liebe spüren und können damit ihren Emotionalkörper bewusst nähren. Wir hingegen nehmen immer öfter maschinell zubereitete, in Großküchen gekochte oder für uns gar schnell und lieblos zubereitete Gerichte zu uns. Und da viele von uns immer feinfühliger werden, befriedigt uns diese Nahrung nicht mehr, obwohl sie appetitlich angerichtet, sättigend und voller Vitamine und Nährstoffe ist. 
  4. Die mentale Gesundheit (Vijnanamayakosha – die Hülle der Erkenntnisfähigkeit) Diese Körperhülle ist der Sitz all unserer Überzeugungen, Gedanken, Glaubensmuster und Ansichten. Von hoher Feinstofflichkeit geprägt, bewegen wir uns hier oft im Bereich des Unbewussten und bereits in frühester Kindheit Anerzogenen. So kommt es, dass persönliche Überzeugungen und Realität oftmals weit auseinander klaffen: schlanke, wohlgeformte Frauen halten sich für zu fett, fähige Spezialisten zweifeln an ihrer Kompetenz und talentfreie Sänger meinen zum Superstar geboren zu sein. In einer Gesellschaft, die ihren Wert in Geld und vergänglichem Besitz statt am Wohlergehen aller Menschen bemisst, steht es mit der mentalen Gesundheit kollektiv nicht gerade zum Besten. Was unsere Ernährung betrifft, so beinhaltet mentale Gesundheit im positiven Sinn eine höhere Sicht auf unsere Lebensmittel: Werden Erzeuger fair für ihre Produkte entlohnt? Werden Hühner artgerecht gehalten? Ist die Nahrung frei von Schadstoffen? Hat diese Tomate jemals Sonnenlicht gesehen? Wird Leben dafür vernichtet? Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, bei denen ein radikales Umdenken in diesem Bereich stattfindet, wovon der grandiose Siegeszug der Bio-Lebensmittel und zunehmend des Vegetarismus zeugt. Denn von der mentalen Gesundheit hängt ab, ob wir uns auf dem richtigen Kurs halten können und unseren Wagen sicher ins Ziel bringen oder direkt auf einen Abgrund zusteuern. 
  5. Die spirituelle Gesundheit (Anandamayakosha – die Hülle der Glückseligkeit) Sie ist die feinstofflichste und vor allem in Bezug auf unsere Ernährung die bisher am meisten unterschätzte all unserer Körperhüllen. In ihr sitzt unser Glaube und unser Vertrauen in eine göttliche Kraft, an die wir uns im Sinne von Religio = Rückverbindung anschließen können und die uns behütet und leitet. Dabei ist vollkommen unwichtig, welchen Namen wir dieser Kraft geben – Hauptsache, wir haben sie für uns selbst erkannt und definiert. Ein spirituell gesunder Wagenlenker wird in jeder Lebenslage die Zügel führen in dem unbedingten Vertrauen darauf, dass er in Rücksprache mit seiner höheren Kraft zweifelsfrei sicher das Ziel erreichen wird. Was unsere Ernährung betrifft, so war es noch zu Zeiten unserer Großmütter Brauch, laut vor jedem Essen zu beten, für die Nahrung zu danken und sie zu segnen. Damit wurde die Mahlzeit gewandelt zu göttlicher Speise und konnte so auch diesen unserer 5 Körper nähren. Wenn Sie das heute in einer öffentlichen Kantine tun, ernten sie bestenfalls verständnisloses Kopfschütteln und werden als Spinner betrachtet. Dabei beweisen z.B. die Wasserforschungen des japanischen Wissenschaftlers Masaru Emoto, dass ein in vollem Glauben praktizierter Segen und Gebet die kristalline Struktur des Wassers in kürzester Zeit positiv zu verändern vermag. Und Wasser ist ein Hauptbestandteil unserer Nahrung!

Doch warum beschäftigen sich nun Nada Brahma Tontherapeuten so intensiv mit den verschiedenen Körperhüllen des Menschen? Diese alle stehen untereinander in engster Verbindung durch feinstoffliche Energiekanäle, die sich durch alle Körper hindurch ziehen. Ton fließt innerhalb dieser Energiekanäle, welche die indische Tonlehre als ‚Nadis‘ bezeichnet. Und somit ist der Ton das Medium, welches alle diese Körper erreichen und auf ihre Beschaffenheit Einfluss nehmen kann. So können Störungen auch innerhalb der feinstofflichen Körper und ihrer uns unbewussten Abläufe durch Ton schon aufgelöst werden, bevor sich diese Störungen als Krankheit am physischen Körper zeigen. Genau so arbeitet übrigens unsere Stimme: Sie bedient sich stets bestimmter Frequenzen, die unser feinstoffliches Energiesystem ausgleichen. So heilt sich unser Körper selbst schon unzählige Male während wir sprechen, ohne dass wir es meist sogar bemerken. Tritt die Störung jedoch massiv und immer wieder auf, kann das feine Medium des Tons Schädigungen innerhalb der Körper nicht mehr verhindern – und Krankheit nimmt ihren Lauf. 

Je genauer wir die Frequenzverhältnisse dieses klingenden Systems Mensch auf Basis seines individuellen Grundtons erforschen, desto gezielter können wir mit Tönen bewusst auf Störungen innerhalb unserer Körper einwirken und so die natürliche Arbeit unserer Stimme unterstützen und verstärken. Dafür ist es jedoch notwendig, rechtzeitig den persönlichen Grundton zu ermitteln und zu verifizieren, wobei ein geübter Sonologe helfen kann. Denn wenn sich erst einmal eine Krankheit in lebensbedrohlicher oder stark schmerzhafter Weise im physischen Körper manifestiert hat, ist eine Grundtonermittlung über die Stimme nach bisherigem Wissensstand sonologischer Forschungen kaum noch möglich. Der Wagen befindet sich dann in einem Zustand, den der TÜV als fahruntauglich und verkehrsgefährdend einstufen würde und seinem Wagenlenker ist meist die Lust zum Singen und Tönen schon längst vergangen. Dabei sollte er es gerade dann besonders intensiv tun, denn: Wunder im Bereich der Töne gibt es immer wieder!

(Erschienen in den Zeitschriften „Lebens-t-räume“ und „Fliege Magazin“, Ausgabe Februar 2016 zum Schwerpunktthema „Ernährung und Gesundheit“)