Mutmacher des Monats November 2020

„Das Schachspiel lehrt vor allem, objektiv zu sein. Man kann nur dann ein großer Meister werden, wenn man sich seiner Fehler und Mängel bewusst wird – ist das nicht ganz so wie im Leben?“ (Alexander Aljechin, 1892-1946, Schachweltmeister)

Können Sie Schach spielen? Ein großartiges Spiel! „Das Spiel der Könige“ hat man es früher genannt. Denn das ist schließlich auch das Ziel dieses Spiels: Den gegnerischen König handlungsunfähig zu machen! Es ist ein einzigartiges Spiel, da es durch gewisse intellektuelle Fähigkeiten entschieden wird. Man braucht dabei kein Glück (wie beim Kartenspiel), Routine hilft auch nicht weiter (wie bei Monopoly oder Mühle) und Lexika braucht man auch nicht auswendig zu kennen (wie das bei den gängigen Quiz-Spielen der Fall ist). Hingegen kann man mit Schach auf spielerische Weise seine Konzentration und das eigene, logische Denkvermögen trainieren und so kostbare Fähigkeiten entwickeln wie Geduld und eine gewisse graphische Vorstellungskraft bzw. Vorausschau. Dabei sind die Spielregeln recht einfach zu verstehen, sofern man nicht gleich Schach-Großmeister werden will. Ob man sich jedoch beim Schachspiel vornehmlich seiner eigenen Fehler und Mängel bewusst wird … das mag vielleicht bei professionellen Schachlegenden, wie das der Russe Alexander Aljechin eine war, durchaus der Fall sein. Bei einem durchschnittlichen Gelegenheitsspieler jedoch, nun ja, da dürfte das nicht gerade der gängigste Nebeneffekt dieses Spiels sein. Aber mit einer Aussage, da hat Aljechin ganz sicher Recht: Ein „großer Meister“ seines eigenen Lebens kann nur werden, wer sich seiner Fehler und Mängel selbst bewusst ist! 

Wir sind im November dieses außergewöhnlichen Jahres angelangt. Traditionell eine eher trübe, neblige und graue Zeit. Und regiert vom Sternbild des Skorpions, dessen Planetenherrscher Pluto ist. Pluto gilt als Meister darin, Fehler und Mängel aufzudecken und anzuprangern! Das lässt die in seinem Zeichen Geborenen oft unbeliebt erscheinen, da ihnen diese Fähigkeit mit ihrer Geburt quasi schon in die Wiege gelegt scheint. Und dabei tragen wir doch alle den Skorpion irgendwo in unserem persönlichen Horoskop lebenslänglich mit uns herum, d.h. wir haben alle jene Fähigkeit, uns der eigenen Fehler und Mängel bewusst zu werden – mit oder auch ohne Schachspiel. „Ich würde meine Fehler ja eingestehen – wenn ich welche hätte!“ las ich kürzlich auf einer lustigen Postkarte. Und das scheint leider auch die allgemein gängige Meinung zu sein. Es gehört nämlich eine ganz schöne Portion Mut und Größe dazu, sich selbst seine eigenen Schwächen einzugestehen – ohne sich dabei gleich seinen Wert abzusprechen! Und diesen Mut bringen leider noch nicht alle Menschen auf. Um an sich selbst zu arbeiten und sich weiter zu vervollkommnen, ist das aber der erste Schritt. Der nächste Schritt ist dann, die vielen täglichen Widrigkeiten des Alltags als Hilfestellungen auf diesem Weg zu sehen: Beim nächsten kassierten „Knöllchen“ z.B. einfach lächelnd Ruhe bewahren statt in die Luft zu gehen (ist eh nicht mehr zu ändern!) oder statt Andersdenkende als „Covidioten“ und (die Gegenseite) als „Ängstliche“ zu beschimpfen, einfach einmal den Standpunkt des Gegenübers einnehmen und versuchen, diesen zu verstehen. Das kann jedoch nur derjenige, der sich selbst nichts vormacht und seine Fehler kennt. So bemerkt man, wann man ihnen wieder einmal – oft zunächst sogar unbewusst – erliegt. Deshalb möchte ich Sie ermuntern: Nutzen Sie die ruhige Zeit des Novembers und halten Sie vor der „lichtvollen“ Adventszeit noch einmal innere Einkehr. Dabei ist es absolut nicht nötig, gleich in selbstmitleidiger oder aggressiver November-Depression zu versinken! Machen Sie eine simple „Bestandsaufnahme“ von sich und wandeln Sie, soweit es eben möglich ist, den eigenen „inneren Novembernebel“ in Klarheit um. Werden Sie zum „Großmeister“ Ihres Lebens!“ Und spielen Sie vielleicht sogar wieder einmal eine Partie Schach?